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Scoring

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Abbreviations (PDF)

Publisher

Anton J. Benjamin / Simrock

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes in der ganzen Welt.
Availability
Programme Note

Die erste Begegnung zwischen Antonio Ruiz-Pipó und mir fand 1991 statt anlässlich einer geplanten Aufführung seines sog. „2. Gitarrenkonzertes“ TRES EN RAYA statt. Ich konsultierte ihn wegen meiner Zweifel an der Edition. Hier begann unsere Freundschaft und Zusammenarbeit, welche bis zu seinem Tode andauerten. 1995 eröffnete mir Antonio Ruiz-Pipó, er beabsichtige ein Gitarrenkonzert als Hommage an Manuel de Falla zu dessen 50. Todestag 1996 zu komponieren, und zugleich wolle er mir dieses Werk widmen. Eine Geste, die ich bis heute als Ehre empfinde.

Er begann die Arbeit intensiv und voller Enthusiasmus. Die Fertigstellung der Komposition und deren gemeinsame Erarbeitung zogen sich jedoch durch seine schwere Erkrankung im Jahre 1996 hin. Zugleich fand sich keine geeignete Gelegenheit für eine angemessene Premiere. Wir arbeiteten also weiter bis hinein in die ersten Monate 1997. Im Mai 1997 musste Antonio vom plötzlichen Tode seines geliebten Freundes Narciso Yepes erfahren. Dies bewegte ihn derart, dass wir gemeinsam beschlossen, besagtes Konzert als Huldigung an seinen Freund „EN MEMORIA A NARCISO YEPES“ zu titulieren. Antonio verabredete mit Ignacio Yepes, dem Sohn Narcisos, die Welturaufführung des Konzertes anlässlich eines Gedenkaktes für Narciso Yepes von dessen Heimatstadt Lorca im darauf folgenden November 1997 stattfinden zu lassen.

Im August 1997 trafen Antonio und ich uns in seinem Haus in Südwestfrankreich, um letzte Korrekturen am Werk und der Interpretation zu erarbeiten. Wir verabschiedeten uns in der Aussicht, uns im November in Lorca zur Premiere wiederzusehen. Während einer Südamerikatournee im Oktober erreichte mich die Nachricht vom Tode meines Freundes. So fand die Premiere des Stückes schließlich im Gedenken an zwei Freunde statt, die das Leben und nun auch den Tod miteinander teilten.

Gemeinsam mit Ignacio Yepes als Dirigent und der Orquesta Clásica Madrid haben wir in Anwesenheit der Familienmitglieder, zahlreicher Freunde und Verehrer, mit der Premiere dieses Meisterwerks beiden Künstlern ein Denkmal gesetzt. Dokumentiert wurde das Ereignis durch eine Liveaufnahme von Radio Nacional de España.

Antonio Ruiz-Pipós außergewöhnliche Komposition steht auf drei Säulen.
Erstens: unüberhörbar gegenwärtig ist der Geist Manuel de Fallas, Antonio Ruiz-Pipós „Heiligen“, und von dessen Cembalokonzert. So wie Falla ist es Antonio Ruiz-Pipó hier gelungen, eine Tonsprache von ultimativer Strenge, Präzision und Kürze zu entwickeln. Schon die Dauer des dreisätzigen Werkes entspricht derjenigen des Cembalokonzertes. So wie Falla spiegelt auch Ruiz-Pipó den Geist der andalusischen Musik, des Flamenco in rhythmischen, melodischen und harmonischen Archetypen.

Zweitens: die Besetzung des Orchesters ist minimal und doch durch seine besonderen Timbres von einer außergewöhnlichen Farbgebung. Es ist dies nicht zuletzt sein Reflex auf die Art der Farbgestaltung in den Malereien seines älteren Bruders Manuel „Manolo“ Ruiz-Pipó, den er als Mensch und Künstler zutiefst verehrte.

Drittens: die „Palos“. Palos sind rhythmische und motivische Grundstrukturen des Flamenco, Bulería, Tarantos etc. In den drei Sätze des Konzertes spiegeln sich Archetypen. Er kopiert sie jedoch nicht, er reflektiert sie. Besonders deutlich ist dies im dritten Satz zu hören, der den elementarsten der Palos, die Bulerías, portraitiert.

So wie in Antonio Ruiz-Pipós gesamtem Schaffen spürt man hier konzentriert, was man in Andalusien den „Duende“ nennt. Eine anschauliche Beschreibung dieses „Geistes, dieses inneren Dämons“, gibt Federico García Lorca in seinem Essay „Spiel und Theorie des Duende“. Ohne „Duende“ und seinen inhärenten Andalucísmo ist der Geist von Ruiz-Pipós Musik nicht zu ergründen.
Wolfgang Weigel

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